Heute ist in Schweden Höstdagjämning, das bedeutet: Tag und Nacht sind genau gleich lang. Grund, es sich zuhause so richtig gemütlich zu machen – mit extra viel Frühherbststimmung, Freunden und spätsommerlichen Rezepten.
Dieses Jahr fällt das Höstdagjämning, die Herbst-Tagnachtgleiche, auf den 22. September, beziehungsweise eigentlich in die Nacht von auf heute Morgen, den 23. September. An diesem Tag stehen Tag und Nacht exakt im Gleichgewicht: je zwölf Stunden Licht und Dunkelheit. Danach kippt die Waage – die Nächte werden länger, das Licht knapper, und der Herbst, der höst, übernimmt endgültig das Ruder.
Für viele Schwedinnen und Schweden ist dieser Moment mehr als ein astronomisches Datum. Er markiert eine innere Umstellung. Man sieht es an den Bäumen, an den dicker werdenden Jacken, an den Wolldecken, die plötzlich wieder neben dem Sofa liegen. Höstdagjämning ist oft der Punkt, an dem sich das Jahr sichtbar dreht. Vom warmen Sommer zum kühlen, windigen Herbst mit all seinen Farben.
Was bedeutet Höstdagjämning? Die Herbst-Tagnachtgleiche in Schweden
Auch wenn es um diese Jahreszeit oft noch schöne warme Tage gibt, kann es morgens schon kälter sein, in Nordschweden manchmal sogar schon frostig. Die Schweden nennen diese Zeit höstsommar, den Herbstsommer, oder auch sensommar – Spätsommer. Es ist eine Phase mit besonderem Licht: die tiefer stehende Sonne taucht Wiesen und Wasserflächen in einen warmen, spätsommerlich goldenen Glanz, das sensommarljus.

Höstmys: Die schwedische Kunst der Herbstgemütlichkeit
Was die Schweden besonders gut können: Mit den Jahreszeiten leben anstelle dagegen. Es wird draußen früher dunkel? Dann machen wir es uns eben zuhause umso gemütlicher. Und das hat sogar einen eigenen Namen: höstmys, die Herbstgemütlichkeit – wie Hygge, nur auf Schwedisch. Höstmys bedeutet: Sich die Herbstzeit super gemütlich zu machen. Kerzen früher anzünden, dicke Socken, eine Decke auf dem Sofa, leckeres Essen, was die Felder im Herbst so hergeben: Kartoffeln, Kürbis, Karotten, Zwiebeln… Es gibt jetzt Tee statt Eis, Suppe statt Salat, ein Buch statt eines Ausflugs.
Zum höstmys gehört auch das hemmahäng – wörtlich das Zuhause-Herumhängen. Klingt im Deutschen vielleicht nach Faulheit, ist aber eine bewusste Entscheidung: drinnen bleiben, weil es dort gerade am schönsten ist. Freunde kommen vorbei, es wird gekocht, geredet, es einfach schön miteinander haben. Der Herbst als Einladung, näher zusammenzurücken.



Spätsommerliche Rezepte aus Schweden: Der Herbst auf dem Esstisch
Höstmys lässt sich nirgendwo besser feiern als am eigenen Esstisch, mit Freunden um sich herum und gutem Essen in der Mitte. Es braucht kein Dreigänge-Menü, sondern wie wäre es mit einem kleinen Herbstbüfett, bei dem sich jeder selbst bedient und das die ganze Wohnung nach Herbst duften lässt?
Du brauchst ein paar Ideen? Hier kommt das Herbstbüfett von den schwedischen Kochbuchautorinnen Amanda Hellberg und Josefine Johnsson. Auf ihrem Herbstbüfett gibt es:
- Frisch gepressten Apfelsaft
- Bulgursalat mit Karotten und Blumenkohl
- Cremiger Frischkäse
- Västerbottenostpaj
- Käsewürfel aus der Region
- Ofen-Wurzelgemüse
- Schwedischer Kohlsalat
- Frisch gebackenes Brot
- Gesalzene, aufgeschlagene Butter


Hier sind zwei Rezepte für dieses Büfett, die sich problemlos vorbereiten lassen:
Schwedischer Kohlsalat (Kålsallad)
Ein klassischer, erfrischend-süßsaurer Kohlsalat, wie er in Schweden zu fast jedem Herbst- und Grillbüfett gehört.
Zutaten (für 4 Personen als Beilage):
- 1/4 Weißkohl oder Spitzkohl
- ¼ Rotkohl
- 1 große Karotte, geraspelt
- 2 EL Apfelessig
- 1 EL Zucker oder Honig
- 3 EL Rapsöl
- Salz und frisch gemahlener Pfeffer
- optional: ein paar Kümmel- oder Dillsamen, Walnüsse
So geht’s:
- Kohl und Karotte in eine große Schüssel geben.
- Essig, Zucker, Öl, Salz und Pfeffer verrühren, bis sich der Zucker gelöst hat.
- Das Dressing über den Kohl geben und alles gut durchmischen – am besten mit den Händen kurz durchkneten, das macht den Kohl schön weich.
- Mindestens 30 Minuten, besser ein paar Stunden im Kühlschrank ziehen lassen. Vor dem Servieren noch einmal abschmecken.

Ofen-Wurzelgemüse
Karamellisiert, herbstlich-erdig und ideal, um es einfach im Ofen zu vergessen, während man sich um den Rest kümmert.
Zutaten (für 4 Personen):
- 500 g Karotten, geschält und in Stücke geschnitten
- 400 g Kartoffeln, geschält und in Stücke geschnitten
- 2 rote Bete
- 2 rote Zwiebeln, in Spalten
- 3 EL Olivenöl
- 1 TL getrockneter Thymian (oder ein paar frische Zweige)
- Salz und Pfeffer
- 1 EL Honig oder Ahornsirup
So geht’s:
- Ofen auf 200 °C Ober-/Unterhitze vorheizen.
- Gemüse auf ein Blech geben, mit Öl, Thymian, Salz und Pfeffer vermengen.
- Etwa 30–35 Minuten rösten, nach der Hälfte der Zeit einmal wenden.
- In den letzten 5 Minuten den Honig darüberträufeln und noch einmal in den Ofen geben, bis alles goldbraun und leicht karamellisiert ist.
So ein Büfett braucht kaum Aufwand am Abend selbst – die meiste Arbeit passiert vorher, in Ruhe, während draußen schon das erste sensommarljus dem längeren Dunkel weicht. Und dann bleibt nur noch: Kerzen an, Gäste rein, und der Herbst darf kommen!


Fotos: Tina Stafren; Hejsson





