Mia hat ein kleines Landhaus in Sörmland renoviert, mit hellen Farben und ganz viel skandinavischer Leichtigkeit – und hat uns verraten, wie sie sich und ihrer Familie den schönsten und gemütlichsten Rückzugsort erschaffen hat.
Es sieht ein wenig aus wie aus einem Bilderbuch, dieses alte kleine Landhaus, mitten auf dem schwedischen Land. Es steckt voller Leichtigkeit, hellen Farben und liebevollen Details, dass man sich wünscht, der Sommer würde nie zu Ende gehen und man dürfte einfach bleiben. Mia (46) lebt mit ihrem Mann und ihren beiden Töchtern (12 und 14) eigentlich in Stockholm – aber verbringt die langen Sommerferien in ihrem Sommerhaus in Sörmland. Das Haus ist zu einem Lieblingsplatz der Familie geworden. Kein Wunder, aus dem renovierungsbedürftigen Haus hat die Familie ein kleines Schmuckstück gezaubert – mitten in einem üppigen Garten, der jeden Sommer weiterwächst.
Wie aus einem renovierungsbedürftigen Landhaus ein persönlicher Rückzugsort wurde und warum kleine Gebrauchsspuren zur Schönheit dazugehören, erzählt Mia im großen Hejsson-Interview.

Hejsson: Mia, nimm uns mal mit: Das Haus sah vermutlich nicht so aus, als ihr eingezogen seid, oder?
Mia: Wir leben seit etwas mehr als zehn Jahren in unseren beiden Zuhause: unserer Wohnung in Stockholm, im Stadtteil Vasastan, und hier in unserem Sommerhaus in Sörmland. Beide waren beim Kauf stark renovierungsbedürftig und es hat einiges an Schweiß und auch ein paar Tränen gekostet, sie gleichzeitig zu renovieren, während wir zwei kleine Kinder hatten. Aber jetzt haben wir zwei wundervolle Zuhause, in denen ich meiner Kreativität freien Lauf lassen kann, es schenkt mir Erholung und lässt mich zur Ruhe kommen. Indem ich unsere Zuhause schön und ordentlich halte, tanke ich Energie und ein Gefühl von Geborgenheit.
Was habt ihr verändert?
Unser Sommerhaus ist ein altes kleines Landhaus. Es hatte anfangs weder Bad noch Abwasseranschluss. Es war lange im Besitz ein und derselben Familie, als wir es gekauft haben und musste dringend aufgefrischt und funktionaler werden. Wir wollten, dass es dort genauso erholsam und komfortabel ist wie in der Stadt. Also haben wir alle Wände gestrichen, die Leisten bekamen einen kontrastierenden Anstrich mit Leinölfarbe. Wir haben die Böden abgeschliffen und zusätzlich eine Küche nach Maß eingebaut. Außerdem ließen wir im Wohnzimmer einen alten Kachelofen einbauen. Das war jede einzelne Krone wert – nicht nur, weil er so wunderschön geworden ist, sondern auch, weil wir so das Haus viel besser heizen können. In den vergangenen Jahren hat auch der Garten immer mehr Aufmerksamkeit bekommen. Jeder neue Sommer bedeutet normalerweise, dass ich mindestens ein neues Blumenbeet anlege.


Was ist an deinem Haus besonders skandinavisch?
Für mich bedeutet skandinavischer Stil Einfachheit – ein Stil, der natürliche Materialien und die schönen Originaldetails eines Hauses oder einer Wohnung in den Mittelpunkt stellt und bei dem die eigenen dekorativen Elemente eher zurückhaltend eingesetzt werden und nicht so dominieren. Ich liebe beispielsweise originale Details wie kunstvollen Stuck, Brüstungsleisten, Nut-und-Feder-Holzverkleidungen und wunderschöne alte Holzböden. Gerade in einem alten Landhaus finde ich es schön, wenn solche Elemente nicht überdeckt werden, sondern ihren eigenen Charakter behalten.
Welche Farben spielen für dich eine besondere Rolle?
Wir haben uns in Stockholm für eine gedeckte, harmonische Farbpalette aus Graublau, hellem Cremebeige und Altrosa entschieden. Im Sommerhaus ist die Farbpalette allerdings noch heller. Der Stil ist dort ländlicher, ohne romantisch zu wirken. Das passt zu unserem kleinen Landhaus und zu den langen Sommerferien, die wir dort verbringen.




Ist das Sommerhaus also in einem anderen Stil eingerichtet als die Wohnung in Stockholm?
Ja, unser kleines Landhaus, in dem wir unsere langen Sommerferien verbringen, hat eine sommerlichere Einrichtung. Auf dem Land ist die Einrichtung bei der Wahl der Materialien außerdem etwas robuster und unempfindlicher gegenüber Abnutzung und Schmutz. In der Stadt ist die Einrichtung reduzierter und etwas eleganter.
Was ist wichtiger: Schönheit oder Funktion?
Wir haben das Schöne immer über die Funktionalität gestellt, und das habe ich nie bereut. Für mich ist es viel wertvoller, jeden Tag an einer wunderschönen Natursteinplatte in der Küche vorbeizugehen, als dass sie besonders praktisch zum Kochen sein muss. Unsere Kinder sind damit aufgewachsen und haben gelernt, mit etwas empfindlicheren Dingen sorgsam umzugehen. Je älter sie geworden sind, desto mehr kann ich sehen, dass auch sie die schönen Dinge im Leben zu schätzen wissen und sich gerne selbst von ihnen angezogen fühlen. Ob sie dieselben Prioritäten setzen werden, wenn sie erwachsen sind, bleibt abzuwarten … haha!




Aber Gebrauchsspuren gibt es ja trotzdem…
Ja, die ersten Kratzer im Porzellanbecken, die ersten Säureflecken auf der Natursteinplatte und die ersten Kerben in den Holzböden zum Beispiel. Nach zehn Jahren sind sie aber eher eine Art Patina des Lebens – und auch darin liegt eine gewisse Schönheit.
Welche Dinge sind die wichtigsten, um ein Zuhause gemütlich zu machen?
Vielleicht nicht unbedingt ein bestimmtes Möbelstück, aber ich liebe Schaffelle! Sie schaffen eine so warme und behagliche Atmosphäre. Man kann sie am Esstisch zum Sitzen verwenden, über einen Sessel legen, um es noch gemütlicher zu machen, oder auf den Boden neben dem Bett legen – wie einen flauschigen Teppich.
Auch Blumen und Zweige aus der Natur gehören für mich dazu. Ich liebe es außerdem, Einrichtungsgegenstände und Möbel gebraucht zu kaufen und ich nähe und gestalte viele Dinge selbst.
Besonders gerne mag ich unsere Kopfteile in den Schlafzimmern – sowohl in der Stadt als auch auf dem Land. Ich habe sie selbst zugesägt und mit Stoff bezogen.
Das ist eine relativ einfache Möglichkeit, den Schlafzimmern eine gemütliche und gleichzeitig elegante Atmosphäre zu verleihen. Wer es selbst ausprobieren möchte, findet im Internet jede Menge gute Anleitungen.
Was war die beste Einrichtungsentscheidung?
Unsere besten Entscheidungen in Sachen Einrichtung waren wahrscheinlich, dass wir den Mut hatten, Wohnungen und Sommerhäuser gleichzeitig zu kaufen, obwohl die sogar etwas teurer waren als ursprünglich geplant – und das alles zu einer Zeit, in der andere vielleicht lieber Geld für Vergnügungen, Reisen und Konsum ausgegeben haben. Oder eben gespart hätten. Wir haben einfach all unser Geld fürs Wohnen und Renovieren ausgegeben. Das hat uns zwei wunderbare Zuhause beschert. Das muss doch die schönste Art zu sparen sein, oder?!

Fotos: Mia Asplund






