Warme Farben, der Esstisch als Familientreffpunkt und skandinavisches Flair: Stina Bothilde nimmt uns mit in ihre Kopenhagener Wohnung und erzählt, worauf sie beim Einrichten geachtet hat.
„Wir haben unsere Wohnung gekauft, als ich mit unserem Sohn Ollie schwanger war. Wir bekamen die Schlüssel genau an meinem 27. Geburtstag, als Ollie gerade anderthalb Monate alt war, was für ein Zufall, oder? Die Wohnung ist seither Schauplatz eines sehr großen Teils unseres Familienlebens.
Kleine Veränderungen statt große Komplettrenovierung
Als wir eingezogen sind, haben wir ein paar Veränderungen am Grundriss vorgenommen. Wir haben einen Durchgang geschlossen und stattdessen eine doppelflügelige Tür zwischen Wohnzimmer und Küche eingebaut. Dadurch wirken die beiden Räume viel stärker miteinander verbunden. Etwa eineinhalb Jahre später haben wir die Küche renoviert, und 2021 haben wir das Badezimmer renoviert. Abgesehen davon haben wir die Wohnung im Laufe der Jahre eher nach und nach verändert – durch Wandfarben, Möbel, Textilien und kleine Details, anstatt einmal eine große Komplettveränderung vorzunehmen. Was wir bewusst erhalten haben, ist das Gefühl und der Charakter der Wohnung. Ich mag, dass sie nicht wie neu oder übermäßig durchgestylt wirkt. Sie hat sich gemeinsam mit uns und unserer Familie entwickelt.
„Ich liebe es, klare nordische Linien mit Vintage-Stücken zu kombinieren“
Für mich bedeutet skandinavisches Wohnen, ein Zuhause zu schaffen, das sowohl schön als auch gemütlich ist. Es geht nicht um Minimalismus oder darum, ein leeres, perfekt inszeniertes Zuhause zu haben. Es geht um Licht, natürliche Materialien, Funktionalität und eine ruhige Atmosphäre – und gleichzeitig darum, Persönlichkeit und Farbe zum Ausdruck zu bringen. Mein Einrichtungsstil ist modern skandinavisch, mit einer farbenfrohen und leicht verspielten Note. Ich liebe es, klare nordische Linien mit Vintage-Stücken, weichen Textilien, Kunst und Gegenständen zu kombinieren, die eine Geschichte erzählen.
Gedeckte Blau- und Grüntöne: Farbe als Ruhepol
Farbe ist mir sehr wichtig. Besonders liebe ich gedeckte Blau- und Grüntöne sowie warme, erdige Farben. Sie verleihen dem Zuhause Ruhe, geben ihm aber gleichzeitig Charakter. Ich glaube nicht, dass ein skandinavisches Zuhause unbedingt weiß, beige und grau sein muss. Für mich kann Farbe dasselbe Gefühl von Ruhe erzeugen – vor allem, wenn die Farben weich und leicht gedeckt sind und nicht zu kräftig leuchten.

Schönes Design und gelebter Alltag – wie passt das zusammen?
Ich glaube, der Schlüssel zur Balance zwischen schönem Design und einem Zuhause, in dem tatsächlich gelebt wird, liegt darin, sein Zuhause nicht zu wichtig zu nehmen. Natürlich liebe ich schöne Dinge und achte darauf, wie unser Zuhause aussieht. Aber es ist eben auch ein Zuhause, in dem zwei Kinder leben, in dem wir essen, Kaffee trinken, Bücher lesen und in dem unser Alltag stattfindet. Ich mag es, wenn Dinge bewusst ausgewählt und arrangiert wirken, aber gleichzeitig soll man sehen, dass hier Leben stattfindet. Ein Buch, das auf dem Tisch liegen geblieben ist, Blumen aus dem Garten, Kindersachen oder eine Kaffeetasse zerstören die Einrichtung nicht – sie machen sie zu einem Zuhause.
Der Marmor-Esstisch: Lieblingsmöbelstück mit Geschichte
Unser Esstisch aus Marmor ist wahrscheinlich das Möbelstück, an dem ich am meisten hänge. Er ist zu einem echten Treffpunkt in unserem Zuhause geworden, und so viel von unserem Alltag spielt sich um ihn herum ab – Mahlzeiten, Kaffee, Hausaufgaben, Gespräche und Feiern. Ich mag außerdem Möbel, die mit der Zeit persönlicher werden. Ich habe viel lieber ein paar Stücke, die wir wirklich lieben, als ständig alles auszutauschen, nur um Trends zu folgen.
Vintage, Reisefunde und Søstrene Grene: Woher die Deko kommt
Tatsächlich kaufe ich nur sehr selten neue Dinge für unser Zuhause. Mich interessiert viel mehr, mit den Dingen zu leben, die wir bereits haben, und sie zu einem Teil unserer Geschichte werden zu lassen, als die Einrichtung ständig zu verändern. Wenn doch, dann ist es eine Mischung: Ich kombiniere gerne dänisches Design mit Vintage-Funden, kleineren Geschäften und Dingen, die ich auf Reisen entdecke. Ich möchte nicht, dass alles in unserem Zuhause vom selben Ort stammt oder so aussieht, als hätten wir es als komplettes Set gekauft. Einige der Dinge, die unserem Zuhause besonders viel Seele und Charakter verleihen, sind Gegenstände, die Thomas und ich von unseren Reisen mitgebracht haben, bevor wir Kinder hatten. Zum Beispiel haben wir zwei Buddha-Bilder in unserem Wohnzimmer, die wir von einem Mönch in Laos gekauft haben. Sie sind uns sehr wichtig, weil sie uns an eine Zeit in unserem Leben erinnern, die völlig anders war als das Leben, das wir heute führen. Gleichzeitig bin ich überhaupt nicht zu anspruchsvoll, was die Herkunft der Dinge betrifft. Ich habe absolut kein Problem damit, gelegentlich einen kleinen Fund bei Søstrene Grene oder JYSK mitzunehmen. Ich glaube nicht, dass alles in einem Zuhause teuer oder von einem Designer sein muss, um schön zu sein.

Der Lieblingsort: Esszimmer im Winter, Balkon im Sommer
Mein Lieblingsort ist definitiv das Esszimmer – und ganz besonders die Bank rund um den Esstisch. Hier verbringen wir als Familie viel Zeit miteinander, und es fühlt sich wie das Herz unseres Zuhauses an. Im Sommer steht allerdings der Balkon an erster Stelle. Ich liebe es, draußen bei einem Kaffee zu sitzen, umgeben von all den Blumen und Pflanzen, die ich dort anbaue. In den wärmeren Monaten wird er zu einem kleinen zusätzlichen Zimmer für uns.

Die beste (und die schlechteste) Einrichtungsentscheidung
Meine beste Entscheidung war wahrscheinlich, unser Zuhause langsam wachsen zu lassen, anstatt zu versuchen, alles auf einmal perfekt zu machen – und die Dinge nicht ständig zu verändern. Wir leben seit vielen Jahren in unserer Wohnung, und die Einrichtung hat sich langsam gemeinsam mit uns entwickelt. Ich glaube, dadurch wirkt sie persönlicher und zeitloser. Einige unserer besten Entscheidungen sind dadurch entstanden, dass wir in den Räumen gelebt und erst herausgefunden haben, was für uns tatsächlich funktioniert. Ich habe außerdem gelernt, dass man nicht jeden freien Platz füllen muss. Manchmal ist es besser zu warten, bis man etwas findet, das man wirklich liebt. Meine schlechtesten Entscheidungen waren wahrscheinlich die Momente, in denen ich etwas nur gekauft habe, weil ich es schön fand, ohne darüber nachzudenken, ob es wirklich in unser Zuhause passt. Ich bin viel besser darin geworden, auf das richtige Stück zu warten.


„Unser Zuhause ist nicht perfekt. Aber perfekt für uns!“
Ich liebe, dass unser Zuhause so viele Erinnerungen in sich trägt. Es ist seit einem Großteil unseres Erwachsenenlebens unser Zuhause. Unsere Kinder sind hier aufgewachsen, und die Wohnung hat sich gemeinsam mit unserer Familie entwickelt.
Es ist nicht perfekt, aber es ist perfekt für uns. Es fühlt sich bewohnt, persönlich und wirklich wie ein Zuhause an.“
Fotos: Stina Bothilde









