Eine historische Künstlervilla an der schwedischen Westküste entführt uns zu den Anfängen der schwedischen Wohn- und Einrichtungskultur. Ein Besuch, der sich anfühlt wie eine Reise in eine andere Zeit.
In der Nähe des kleinen Städtchens Ängelholm, an der Westküste Schwedens, steht ein Haus, das uns richtig mit auf eine Zeitreise nimmt: in ein Schweden von vor über hundert Jahren und in die Kunstgeschichte des Landes. Fast wie ein Museum. Nur, dass man hier drin richtig wohnen kann. Die Villa wurde 1908 gebaut, aber so liebevoll und achtsam erhalten und renoviert, dass man bis heute erkennen kann, wie die Menschen Anfang des letzten Jahrhunderts in Schweden gewohnt und eingerichtet haben. Auch wenn längst nicht alle Schweden Häuser in dieser Größe hatten oder haben.
Leben in einer schwedischen Künstlervilla
Erbaut wurde die Villa noch vor dem Ersten Weltkrieg von zwei Frauen, Mutter und Tochter. Später lebte die Enkelin Margit Högstedt (1902–1983) hier, eine Künstlerin, deren Aquarelle schwedische Landschaften, Kinder oder Städtchen zeigen und bis heute im Museum in Helsingborg zu sehen sind. Zunächst diente die Villa als Sommerhaus, später als Dauerwohnsitz. Ihr Atelier befand sich ganz oben im Gebäude, mit Blick auf das blaue Wasser des Skälderviken und den Kullaberg. Heute ist aus dem alten Atelier ein Gästezimmer geworden, aber der Blick ist unverändert. Er erstreckt sich über den Rönne-Fluss zum Strand und weit hinüber über den ganzen Skälderviken, die erste Bucht der schwedischen Westküste.


Die Anfänge des schwedischen Wohnstils
Dass Künstler ihre Häuser schmückten und ausmalten, war ganz im Stil der Zeit. Und so rankt sich bis heute die gut erhaltene Wildrosen-Girlande im Wohnzimmer entlang, und über der Eingangstür finden sich Malereien. Innen wechseln sich die Farben zwischen Weiß, Lindgrün, Rosa und Himmelblau ab – inspiriert vom nahen Meer, vom Strand und von den süß duftenden Wildrosen. Die Böden sind weiß gestrichen oder aus dunkel lasiertem Holz.


Nordische Farben und traditionelle Details in der Küche
Die Küche hat ihre alten Schränke behalten, aber neue Steinarbeitsplatten mit versenkbaren Applikationen, einer abgehängten Decke und Strahlern sowie einen neuen Boden aus Zementsteinen im passenden Dekor erhalten. Und von außen weist die Villa viele für die Zeit typische Details auf: ein Fundament aus mächtigen Granitfindlingen, Fachwerk im Stil der südschwedischen „Skånelängor“, falurotes Holz und ein steil abfallendes, ziegelgedecktes Dach.
Ein schwedisches Haus mit eigenem Namen
Das Haus hat sogar einen eigenen Namen: Villa Vindåsen, was so viel wie Windhügel bedeutet. Er deutet auf die Kraft der Naturelemente hin, die hier an der schwedischen Küste das Leben vor über hundert Jahren noch mehr bestimmt haben als heute. Villa Vindåsen steht für Festigkeit, Stärke und Robustheit. Das Haus stellt sich in den Wind, der vom Meer ins Land weht. Sollte nicht jedes Haus einen Namen haben?

Historisches Wohnen in Schweden: Alt trifft auf modernen Komfort
Das Haus ist im für diese Zeit typischen Stil der Nationalromantik erbaut. Inspiriert von Häusern in Skåne, Dänemark, Dalarna und den Alpen – und mit den Künstlern Carl Larsson und Anders Zorn als Meister und Stilvorbilder jener Zeit, die in Dalarna den schwedischen Alltag zeichneten: hell und gemütlich. Man entdeckte damals in der Architektur und Einrichtung die nordisch-klare Schönheit der schwedischen Natur wieder, aber auch Stilelemente der Wikinger und des Mittelalters, wie feste Mauern und Fundamente aus Findlingen etwa.
Ganz im Sinne von Margit Högstedt ist das Haus mit Bildern bekannter schwedischer Künstler dekoriert – aus allen Epochen bis hin zu moderner Fotografie. Auch in den Möbeln und der gesamten Einrichtung spiegelt sich der alte schwedische Stil noch heute wieder.
Nach dem Tod der Künstlerin Margit in den 80er-Jahren stand das Haus über Jahre leer. Der Abriss war nur eine Frage der Zeit. Wie gut, dass sich doch Käufer fanden! Seit 1990 ist es in Privatbesitz und die Besitzer legten großen Wert auf den Erhalt der Schätze des Hauses. Und es gelang ihnen, das Haus dennoch mit allen Annehmlichkeiten eines modernen Hauses auszustatten: moderne Bäder, schöne Schlaf- und Gästezimmer bis hin zu einer Sauna im Keller. Wenn sie es selbst nicht bewohnen, vermieten sie es als Ferienhaus – damit das Haus belebt ist und bleibt.
Fotos: Peter Carlsson – Fotograf




