Restaurant Day in Helsinki

Im finnischen Winter verbringt man nur so viel Zeit draußen, wie unbedingt nötig. Aber jedes Jahr im November und Februar stehen plötzlich einen Tag lang Menschen auf den verschneiten Straßen mitten in Helsinki, schöpfen dampfende Suppe in Schälchen oder servieren fleischgefüllte Piroggen.

Beim Restaurant Day kann jeder mitmachen und spontan zum Koch, Bar-Chef oder Bäcker werden. Viermal im Jahr darf jeder für einen Tag ein Restaurant, Café oder eine Bar eröffnen. Dann reihen sich lange Schlangen an den Essenständen überall in der finnischen Hauptstadt, die Töpfe sind manchmal schon am frühen Nachmittag leer. Im Winter ist es bitterkalt, aber das stört, die Hobbyköche wenig: Mit glänzenden Augen bewirten sie in Parks und auf Gehwegen ihre Gäste. Die stehen im Schnee und lassen sich die selbstgemachten Köstlichkeiten schmecken. Ihre kalten Füße können sie sich anschließend im Inneren des nächste Pop-up-Restaurant wieder aufwärmen. Eine App führt zum nächsten Essplatz, in Hinterhöfe, Privatwohnungen oder Hausflure, wo duftendes Gebäck oder brutzelndes Grillfleisch feilgeboten werden.

Aus einem Fenster werden frisch gebackene Macarons nach unten auf die Straße gereicht.rden
Aus den Fenstern werden frischgebackene Macarons gereicht.
Ein eigenes Restaurant für einen Tag

Der Restaurant Day gehört mittlerweile in die finnische Hauptstadt, wie der „Tuomiokirkko“, wie die Finnen ihr Wahrzeichen, den weißen Dom, nennen. Dabei ist es erst ein paar Jahre her, als Timo Santala gemeinsam mit ein paar Freunden den ersten Restaurant Day auf die Beine stellte. Sie hatten genug von den unzähligen Regeln und Gesetzen, die jede gastronomische Kreativität in Bürokratie ertränkten. Jeder sollte die Möglichkeit haben, sich für einen Tag den Traum vom eigenen Restaurant zu erfüllen, fanden sie.

Selbstgebackene Kuchen auf dem Restaurant Day.
Selbstgebackener Kuchen auf dem Restaurant Day
Viele kleine Pop-up-Cafés

Also trommelten Sie im Frühling 2011 Freunde und Bekannte zusammen. Sie rechneten mit zehn Teilnehmern, aber es eröffneten ganze 45 kleine Pop-up-Restaurants beim ersten Mal. Plötzlich hingen Körbe mit Macarons aus den oberen Stockwerken, frische Pfannkuchen wurden aus Fenstern gereicht, im kleinen Park gegenüber gab es hausgemachte Ingwerlimonade und in einer Garage wurden selbst gebackene Muffins serviert. Beim zweiten Restaurant Day im August eröffneten dann schon 190 Restaurants in vier Ländern.

Finnische Restaurantkultur

„Der Restaurant Day hat die finnische Restaurantkultur vermutlich mehr beeinflusst als alles andere seit der neuen Alkohol-Gesetzgebung im Jahre 1969“, sagte der ehemalige Minister für Bildung und Kultur, Paavo Arhinmäki, in seiner Rede, als er den Finland Prize an Timo Santala und seine Freunde noch im gleichen Jahr überreichte.

Dick in Schneeanzüge verpackt und heiße Suppe im Topf, so trotzen diese beiden Hobbyköche der finnischen Kälte.
Dick in Schneeanzüge verpackt und heiße Suppe im Topf, so trotzen diese beiden Hobbyköche der finnischen Kälte.
Das größte Food-Festival der Welt

Heute ist der Restaurant Day das wohl größte Food-Festival der Welt ist: Rund 95.000 Amateurköche bewirteten bisher in rund 23 000 Pop-up-Restaurant über 2,5 Millionen Gäste. Ganze 73 Länder nahmen bereits teil. Aus dem kleinen finnischen Event, ist eine globale Bewegung geworden.

Restaurant Day in Deutschland

Essen bringt die Menschen zusammen, findet Timo, da braucht es keine aufwändige Organisation: Jeder, der mitmachen will, plant sein Restaurant einfach selbst und darf nach Belieben Kochen, Grillen oder Backen, Theken zimmern oder Garküchen aufbauen. Damit seine Location auch gefunden wird, trägt er sie auf der Website des Restaurant Days ein und schon ist er dabei. Auch in Deutschland wird mittlerweile fleißig aufgetischt. Wer selbst mitmachen möchte oder einfach mal wieder lecker essen will: Hier findest du alle Infos.

 

 

 

Fotos: Ravintola Talvisota, Ida Jaalos, Tuomas, Anttila

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