Zu Besuch in Västergötland: Wohnen wie in Bullerbü

In einem verwunschenen Garten liegt das Zuhause von Martina Söderhielm. Die Schwedin hat uns ihre persönlichen Einrichtungstricks verraten und erzählt, was das Landleben so besonders macht.

Üppige Wiesen, blühende Bäume und dazwischen stolzieren ein paar Hühner herum – wer bei Martina Söderhielm (34) zu Gast ist, landet direkt im schönsten Bilderbuch-Schweden. Hier, mitten in Västergötland, in der Nähe von Skövde, hat sich Martina vor drei Jahren zusammen mit ihrem Mann Jakob ein altes Haus gekauft: Es schmiegt sich langgezogen und flach in einen blühenden Garten, umgeben von Wäldern. Die zwei, drei Nachbarhäuser kann man durch die Bäume nur erahnen.

Vor drei Jahren kauften Martina und ihr Mann Jakob das schmucke Haus in Västergotland.
Ein kleines Gartentörchen, ein langer Kiesweg und das Dach moosbewachsen: Könnte auch ein Bilderbuchgemälde sein, oder?

Ein Schwedenhaus mitten in Wald und Wiesen

1930 erbaut, stand das Haus vor drei Jahren zum Verkauf und als Martina und ihr Mann es besichtigten, wussten sie sofort: das ist es! „Es war perfekt, genauso wollten wir leben. Es ist nur zehn Minuten mit dem Auto bis zur nächsten Stadt, aber liegt trotzdem mitten im Wald. Und es ist wahnsinnig ruhig drumherum. Das war anfangs besonders für Jakob sehr ungewohnt, weil es nachts so richtig stockdunkel wird“, erzählt Martina. Aber sie selbst kommt vom Land und wollte ihren drei Kindern Wilmer (9), Maiken (5) und Iris (2) auch die Chance geben, auf dem Land aufzuwachsen. Neben der fünfköpfigen Familie leben auch noch eine Katze und zwölf Hühner hier, sie tragen hübsche Namen wie Elsa und Anna und dürfen überall frei rumlaufen. „Allerdings nur, wenn wir auch draußen sind, damit sie nicht von den Greifvögeln geholt werden“, erklärt Martina.

Ein kleines, rotes Schwedenhäuschen steht im Garten.
Ein echter Lieblingsplatz: Martina in ihrem Garten.
Die Mädchen hängen Kräuter aus dem Garten zum trocknen auf.
Zwölf Hühner wohnen bei Familie Söderhielm.

Über der Türe sind drei Herzen eingeschnitzt: „Torp tre hjärtan“ heißt ihr Schwedenhaus

Vor dem Einzug bauten sie das Haus innen etwas um, es mussten mehr Zimmer rein, insgesamt sieben sind es nun. Das kleine Bad wurde zu einem großen Familienbad umgebaut, alle Räume neu tapeziert, die niedrigen Decken hell gestrichen. Die niedrigen Decken sorgen für extra viel Gemütlichkeit, findet Martina. Wichtig war ihr, dass die vielen kleinen, teils sehr alten Details erhalten bleiben. Zum Beispiel die drei kleinen, geschnitzten Herzen über der Eingangstüre. Daher kommt auch der Name ihres Hauses „Torp tre hjärtan“. Es ist gleichzeitig ihre Adresse.

Drumherum blüht es um diese Jahreszeit überall, in den schönsten Farben.
Slow Living: Martina liebt das Leben auf dem Land.

„Der Vintage-Stil ist toll und gut für die Umwelt“

Innen empfängt einen ein gemütliches, großes Wohnzimmer. „Wir haben fast alles im Vintage-Stil, das mögen wir sehr und es ist gut für die Umwelt,“ erklärt Martina. Die meisten Möbel holt Martina daher vom Flohmarkt oder aus Online-Gebrauchtwarenshops wie Blocket oder Marketplace. Das sei typisch schwedisch, erklärt Martina. Und: „Dieser typische, altschwedische Stil ist toll und ganz viele Schweden sorgen liebevoll dafür, dass traditionelle Möbel, Wohnaccessoires und kleine Details erhalten bleiben.“

Kanelbullar, Zimtschnecken, aus dem alten Schwedenofen.
Der Esstisch ist über einhundert Jahre alt und stand lange Zeit einsam in einer Scheune – bis Martina kam.
Der Garten ist der schönste Blumenlieferant.

Gemütlichkeit durch natürliche Farben, Materialien und Blumen

Bei der Farbkombi setzt Martina vor allem auf Holztöne und natürliche Farben wie Grau und Grün. „Mein Einrichtungsstil ist ruhig und gemütlich, ich möchte, dass Gäste sich gleich zuhause und wohl fühlen!“, erklärt sie. Und auch wenn die Kinder ihre eigenen Zimmer haben: Sie dürfen überall spielen. „Auch dafür ist der Vintage-Style gut, denn er ist nicht so teuer,“ lacht Martina. Und was sind ihre Tricks, die so viel Gemütlichkeit zaubern können? „Ich habe viele Kerzen, Stoffe, Pflanzen und Blumen in der Wohnung verteilt, die machen alles gleich viel kuscheliger.“ Dazu kommen natürliche Materialien und viel Holz, auch dem alten Dielenboden wurde zu neuem Glanz verholfen.

Ein helles, gemütliches Plätzchen, selbst wenn es draußen ungemütllich ist.
Zeit für eine köstliche Fika muss sein.

Der Esstisch ist das Herz des Hauses

Zu ihren Lieblingsmöbeln gehört eine alte Kommode, die sie von der Schwester ihrer Großmutter geerbt hat. „Ich habe sie bekommen als ich 19 war und schleppe sie seitdem immer mit mir herum“, erzählt sie. Aber auch der einhundert Jahre alte Esstisch gehört zu Martinas Lieblingsstücken, er stand vorher lange in einer Scheune herum, war verwittert, es fehlten fast alle Schrauben. Sie hat ihn wieder fit gemacht, er ist nun das Herzstück des Hauses und steht in Martinas Lieblingsraum: Dem Wohnzimmer, oder besser: einer Kombi aus Wohn- und Esszimmer.

Üppige Rosen vor dem Haus – und hinten ein unterirdischer, natürlicher Kühlraum, der alleine durch die Erde kühlt.
Spielplätze braucht man hier nicht: Die Natur zu entdecken, ist für Martinas Kinder das Größte.

Slow Living in der schwedischen Natur

Eigentlich arbeitet Martina im Marketing eines Science Centers für Kinder ganz in der Nähe, die Kinder gehen im nahegelegenen Ort in Schule und Kita. Aber wenn man so weit draußen auf dem Land lebt, dann verbringt man viel Zeit in Haus, Hof und Garten. „Wir wollten unseren Kindern ein Leben in der Natur bieten, nah am Wald, mit Tieren und Ruhe und einem Slow-Living-Gefühl, weil sich die Zeit hier ein wenig langsamer dreht. „Wenn man aufs Land zieht, hört man auf, einfach nur zu konsumieren,“ sagt Martina. „Man überlegt sich einfach genauer, ob und warum man in die Stadt fährt.“

Beeren auf Maräng-Torte: mehr Schwedensommer geht kaum!
Im Sommer weiden Pferde von Freunden vor dem Haus.

Büllerbü-Flair mit Hühnerstall

Draußen blüht es jetzt im Juni überall. Viele der Blumen und Pflanzen verdanken Martina und ihre Familie den Vormietern, die den Garten liebevoll gepflegt haben. Die Coronazeit nutzt Martina, um aus dem grünen Schmuckstück ihr ganz eigenes Gartenparadies zu zaubern, mit Abendsonnenterrasse, Gartenhäuschen und Hühnerstall. Für ein ordentliches Stückchen Büllerbü-Flair.

 

Fotos: Martina Söderhielm

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