Wie entsteht eigentlich ein Stuhl?

Und wie bekommen Stühle ihre geschwungenen Lehnen und Beine? Wir waren zu Besuch bei Schwedens ältestem Möbelhersteller Gemla und haben uns das mal angesehen.

Die älteste Möbelfabrik Schwedens liegt mitten im Wald. Natürlich. Wie so vieles hier. Seit 1861 werden in der kleinen Fabrik Gemla Stühle gefertigt, die das Design ganzer späterer Stuhlgenerationen beeinflussten. Hier arbeiten Menschen, die noch wissen, wie man Holz bändigt, wie aus Stangen und Brettern geschmeidige Designobjekte werden, die trotzdem optisch so zurückgenommen sind, dass sie an jeden Küchentisch passen. Der Clou: Bei einigen Stühlen sind Hinterbeine und Lehne aus einem einzigen Stück Holz geformt.

Rohe Stuhlgerippe warten darauf, zu einem richtigen Stuhl verbaut zu werden.
Hier passiert noch echte Handarbeit (von rechts oben im Uhrzeigersinn): Stuhldesign entwerfen, Bezugstoffe auswählen, mit dem Tretroller von A nach B düsen.

 

Dieses aufwändige Verfahren beherrschen nicht viele Menschen, erfahren wir, während wir durch die Hallen der Gemla-Fabrik geführt werden. Auf den Regalen rechts und links lagern unzählige Stuhlgerippe, halbfertige Hocker, stapelweise Rückenlehnen, Stuhlteile in Rohform. Vor allem Birke und Esche werden hier zu Stühlen verarbeitet, ein Großteil des Holzes kommt mittlerweile aus Polen. Um aus den Stämmen Stühle zu formen, gibt es bei Gemla spezielle Metallgestelle, die teilweise über einhundert Jahre alt sind. Eine besondere Behandlung mit Feuchtigkeit und Wärme macht das Holz zunächst geschmeidig, anschließend wird es in die Metallgestelle gespannt und per Hand gebogen.

Je nach Holz müssen die in Form gebogenen Stuhlteile bis zu drei Monate trocknen, bevor sie zu einem Stuhl zusammengefügt werden und eine Sitzfläche verpasst bekommen. An die 1500 verschiedene Modelle hat Gemla in all den Jahren entworfen und hergestellt.

Hejsson-Chefredakteurin Kaja darf selbst einmal Hand anlegen und aus einer Holzstange ein Stuhlteil formen.
Jeder Stuhl geht durch viele Arbeitsstationen und viele Hände, ehe er im Eingangsbereich als Musterstuhl landen darf.

 

Im Eingangsbereich der Halle kann man die bekanntesten Modelle bewundern: sie hängen wie Bilder an den hohen Hallenwänden. Das Alte zu bewahren ist Gemla wichtig. Auch deshalb reparieren sie alte Stühle, die jeder, der ein antikes Stück zuhause hat, bei Gemla vorbeibringen kann. Vorausgesetzt, man findet den Weg durch den Wald nach Diö, wo Gemla liegt. Das Örtchen ist so klein, dass man es fast übersehen könnte, auf dem Weg von Älmhult zum Firmengebäude. Älmhult liegt nur zehn Kilometer entfernt und ist auch nicht besonders groß. Allerdings hat es das Örtchen zu einem großen Namen geschafft: In Älmhult wurde Ikea gegründet, bis heute ist hier der Hauptsitz des Weltkonzerns. Möbelfabrik an Möbelfabrik sozusagen. Mitten im schwedischen Wald.

 

Fotos: Tina Stafrén; Hejsson

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