Vergiss Silvester – in Schweden beginnt das neue Jahr im September. „Tjejnyår“ heißt das neue Phänomen, dass von Schwedinnen feiert wird. Wir erklären, was dahintersteckt, was es mit Wohnen zu tun hat – und wie du mitfeierst.
Es liegt etwas Besonderes in der Luft, wenn sich der schwedische Sommer langsam verabschiedet. Wenn der Wind etwas kühler, der Regen etwas häufiger und die Abende wieder früher dunkel werden. Nach vielen Sommerwochen füllen sich die Kalender wieder, Alltag und Routinen kehren zurück – und viele Schwedinnen verspüren auf einmal Lust, zu sortieren, die Wohnung umzuräumen und neu zu arrangieren, auszumisten oder Neues auszuprobieren, sich selbst etwas Gutes zu tun. Was als Phänomen in den sozialen Medien begann, hat sich mittlerweile als ein eigener Begriff etabliert: „Tjejnyår“, wörtlich „Mädchen-Neujahr“, der Begriff ist mittlerweile sogar vom schwedischen Sprachinstitut offiziell aufgenommen worden.

Tjejnyår: Wenn der schwedische Sommer Abschied nimmt – geht es erst los!
Anders als der Jahreswechsel im Januar, der oft von großen Erwartungen und Vorsätzen begleitet wird, geht es beim Tjejnyår um etwas anderes: Ankommen nach dem Sommer. Gewohnheiten finden, die wirklich bleiben und durch den Winter tragen. Die Idee hinter Tjejnyår ist, dass kleine Gewohnheiten und Details den Alltag leichter und schöner machen können. Die eigenen Routinen zu überdenken, das Zuhause neu zu ordnen und sich zu fragen, was einem in der kommenden Zeit wirklich wichtig ist. Ordnung um sich herum schaffen – für einen sanften Start in den Herbst und mehr Energie für den langen Winter.

Warum das Zuhause beim Tjejnyår eine große Rolle spielt
Eine besonders große Rolle spielt das Zuhause dabei. Weil die Winter in Schweden lang und dunkel sind, möchten sich viele ein besonders schönes Zuhause schaffen, in dem man sich wohlfühlt, zur Ruhe kommt und neue Energie tankt. Kein Wunder also, dass viele im September motivierter sind, zu planen, zu organisieren und sich neue Ziele zu setzen, als im Januar.
So feierst du dein Tjejnyår
1. Schaffe einen neuen Lieblingsplatz bei dir zuhause
Wenn die Abende dunkler werden, sehnen sich viele in Schweden besonders nach einem Zuhause, das warm und gemütlich ist. Eine weiche Decke auf dem Sofa, ein paar zusätzliche Kissen, Kerzen – mehr braucht es oft nicht. Vielleicht eine neue Leuchte ins Fenster stellen, eine Wand in einem sanften Farbton bemalen oder eine neue Vase mit Zweigen aufstellen. Kleine Details machen einen großen Unterschied, wenn der Arbeitstag vorbei ist und Zeit zum Runterkommen ist.
2. Journaling – starte mit einer leeren Seite
Statt einer langen To-do-Liste, schreibe doch mal nur für dich selbst: Überlege dir, wie sich der Herbst anfühlen soll. Mehr Ruhe? Bessere Balance? Mehr Kreativität? Mehr Momente ohne Handy? Gedanken in einem Journal festzuhalten hilft, Ideen zu sortieren und eine (oder mehrere) Richtung zu finden – ohne daraus gleich wieder eine To-Do-Liste zu machen.
3. Räume einen Ort auf – nicht gleich die ganze Wohnung
Es ist verlockend, gleich alles auf einmal zu wollen. Geht aber meistens nicht und führt nur zu Stress. Meist reicht es, einfach mal mit einer Sache anzufangen, mit einer einzigen Fläche zu beginnen: ein Schreibtisch, eine Küchenschublade, der Badezimmerschrank oder der Flur – und dann erst die nächste Aktion.
4. Neue Richtung statt Neujahrsvorsätze
Neujahrsvorsätze können schnell stressig sein, weil man sie meistens dann doch irgendwie nicht schafft. Beim Tjejnyår geht es weniger um Leistung als um Richtung. Frag dich selbst: Was möchte ich diesen Herbst mehr tun? Was will ich priorisieren? Wofür oder für wen möchte ich mir mehr Zeit nehmen? Es sind oft die kleinen Veränderungen, die am Ende wirklich bleiben. Halte es gerne in einem Notizbuch oder Kalender fest, das hilft dabei, sie nicht wieder aus dem Blick zu verlieren.
5. Kein Mädchen-Neujahr ohne Mädelsrunde
Lade deine Freundinnen und Freunde ein, macht es euch gemütlich, kocht zusammen, und sei es nur ein großer Topf Spaghetti, ein Glas Wein, eine nette Runde, einfach zusammen sein: Und vielleicht mag jeder sagen, wie er sich seinen Herbst wünscht? Ihr könnt gemeinsam Ideen sammeln, wie man sich den Alltag schön gestalten kann und mit welchem Gefühl man gerne in diesen Winter starten möchte.
6. Etabliere eine einfache Self-Care-Routine
Self-Care klingt nach viel, muss aber keinen ganzen Wellness-Tag bedeuten – manchmal reichen fünf Minuten nur für dich – aber dafür jeden Tag. Eine Tasse Tee kochen, eine Kerze anzünden, das Handy in den Nebenraum, zwei Seiten in einem Buch lesen, die Wolken vor dem Fenster beobachten … Je einfacher die Routine, desto wahrscheinlicher wird sie auch wirklich zur Gewohnheit.
7. Räume auf – zu Hause und im Kopf
Der September eignet sich hervorragend, um auszumisten: Papiere sortieren, Kleinkram aussortieren, Gedanken, die im Kopf kreisen, in einem Notizbuch festhalten. Wenn um uns herum Ordnung entsteht, wird es oft auch in uns selbst ein Stück ruhiger.
8. Feiere deinen eigenen Neuanfang
Wer sagt eigentlich, dass ein Neustart Feuerwerk braucht? Frische Blumen in einer neuen Lieblingsvase, ein schön gedeckter Tisch schon zum ganz normalen Abendessen, die Gläser benutzen, die sonst für „besondere Anlässe“ aufbewahrt werden, an einem ganz gewöhnlichen Dienstag Kerzen anzünden. Kleine Freudenmomente im Alltag zu schaffen, ist vielleicht die schönste Tradition von allen.
Kleine Details, die den Herbst schöner machen
Vielleicht liegt genau darin der Reiz von Tjejnyår: Es geht nicht darum, mit dem Herbst ein anderer Mensch zu werden – sondern darum, sich selbst die Voraussetzungen für einen Alltag zu schaffen, der sich etwas ausgeglichener, etwas inspirierender und etwas mehr nach einem selbst anfühlt.



