Die Natur im Norden kann rau und karg sein. Das spiegelt sich auch in Lauras Zuhause wider. Die Finnin verrät das Geheimnis von Ruhe und Zurückhaltung beim Einrichten und warum es bei ihr kaum Deckenleuchten gibt.
Laura Sundström, 32, lebt mit ihrem Mann, zwei Töchtern und einem Terrier im Küstenort Ingå in Finnland. Villa Koppar nennt sie ihr Haus liebevoll, inspiriert durch die Gegend Kopparnäs, in der sie leben. Sie haben das Haus neu gebaut und sind 2023 eingezogen. Laura hat uns verraten, was hinter ihren Einrichtungsideen steckt.
Hejsson: Wenn du dein Zuhause in drei Worten beschreiben würdest – welche wären es?
Laura Sundström: Natürlich, ruhig und vielschichtig.
Und wenn du mehr Wörter nutzen dürftest?
Wir holen die umgebende Natur ins Haus. Wir haben große Fenster, durch die wir den Wechsel der Jahreszeiten beobachten können, sowie Schiebetüren, die einen direkten Zugang zum Garten und zu den Felsen hinter dem Haus ermöglichen. Wir haben Lehm auf allen Innenflächen verwendet, um ein ausgeglichenes Raumklima zu schaffen. Unsere Möbel bestehen aus natürlichen Materialien und sind so ausgewählt, dass sie lange halten. Unsere Idee: Wir möchten dem Auge Ruhe und dem Geist Raum geben, weshalb die Einrichtung eher reduziert ist. Und wir haben ziemlich viel Arbeit in die Beleuchtung investiert.
Was ist das Besondere an der Beleuchtung?
Sie soll den Raum und die verwendeten Materialien optimal zur Geltung bringen. Tatsächlich haben wir nicht in jedem Raum Deckenleuchten, etwas, das unsere Handwerker ziemlich ungewöhnlich fanden. Und es war die beste Entscheidung, in hochwertige und dimmbare Beleuchtung zu investieren. Die Beleuchtung wurde für jeden einzelnen Raum bewusst ausgewählt. Was ich heute anders machen würde: einen Teil der Terrasse überdachen. Das haben wir nicht getan, dabei würde das den Alltag erleichtern und die Zeit verlängern, in der wir draußen sitzen können.
Wenn man euer Interior so anschaut, findet man kaum echte Farbtupfer…
Nein, wir setzen auf neutrale Töne: Leinen, Wolle und natürliches Holz. Wir mögen die Idee sehr, der Natur draußen den Mittelpunkt zu überlassen und die Innenräume ruhig zu halten. Manche Menschen mögen es, sich mit kräftigeren Farben herauszufordern. Wir fordern uns lieber mit Zurückhaltung heraus – und mit dem, was man entdecken kann, wenn man seinen Gedanken freien Lauf lässt, anstatt das Auge mit Dingen zu füllen, die es betrachten kann.




Der nordische Einrichtungsstil ist weltberühmt. Was bedeutet er für dich?
Im Einklang mit den Jahreszeiten zu leben. Traditionell haben die Menschen im Norden früher während des Sommers am meisten gearbeitet und die Mitternachtssonne genutzt, um sich auf den harten Winter vorzubereiten. Im Winter war die Energie ganz natürlich geringer und gab den Rhythmus für die dunkelste Zeit des Jahres vor. Heutzutage können oder wollen nur noch wenige Menschen auf diese Weise leben, aber wir können die Besonderheiten jeder Jahreszeit noch immer in unserem Körper wahrnehmen: Die Gerüche, die Geräusche der Natur oder deren Abwesenheit im Winter, wenn der Schnee wie eine dämpfende Decke über dem Wald liegt. Die Natur und das Wetter im Norden können ziemlich rau und karg sein. Ein gewisses Element dieser Kargheit spiegelt sich auch in unserem Zuhause wider.




Wie verändert sich euer Zuhause während der Jahreszeiten?
Weihnachten ist die einzige Jahreszeit, die bei uns wirklich etwas verändert. Wir tauschen die Kissenbezüge auf dem Sofa aus, holen die Adventskerzenhalter hervor und schaffen Platz für weiße Hyazinthen. Wir haben auch einen echten Weihnachtsbaum, aber wir retten immer einen – zum Beispiel einen Baum, der bei einem Sturm umgefallen ist.
Was liebst du am meisten an eurem Zuhause?
Ich liebe es, dass es eine komfortable Basis für so viele verschiedene Bereiche des Lebens sein kann: Arbeit, Sport, Familienferien, Feiern, Krankheit und Gesundheit, Kindheit, Erwachsensein, Kreativität und das Leben im Freien.
Wie findest du die richtige Balance zwischen schönem Design und einem Zuhause, in dem tatsächlich gelebt wird?
Ehrlich gesagt hatte ich damit anfangs zu kämpfen, weil ich das Gefühl hatte, ich müsse das Haus mit Dingen füllen, damit es zu einem Zuhause wird. Direkt nach der Bauphase war das Geld knapp, also habe ich einige unserer Möbel gebraucht gekauft und beschlossen, manche Anschaffungen aufzuschieben. Und ich bin sehr froh, dass ich das getan habe, denn dadurch wurde mir klar, dass es für uns am besten war, erst einmal ganz normal in dem Haus zu leben, um herauszufinden, was wir tatsächlich brauchen und was nicht. Und es stellte sich heraus, dass wir gar nicht viele Möbel oder Dinge brauchen. So bleibt genug Raum, damit das Haus und die Materialien für sich selbst sprechen können.
In einem Haushalt, in dem Kinder leben, bleibt es aber meist nicht lange aufgeräumt, oder?
Natürlich gibt es bei zwei Kindern auch viel Spielzeug. Dafür haben wir bestimmte Körbe und Boxen, die in den Schränken verstaut werden. Außerdem bringen wir den Kindern bei, gemeinsam aufzuräumen, sobald wir mit dem Spielen fertig sind. Wir lassen dem Haus und den Möbeln gewissermaßen auch ihre Lebensspuren. Denn gerade diese „Unvollkommenheiten“ tragen zur Schönheit des Lebens bei, das hier stattfindet. Risse, abgeplatzte Ecken und Spuren im Holz sind bei uns willkommen und Teil des Lebens, das hier stattfindet.





Gibt es ein bestimmtes Möbelstück, an dem du besonders hängst?
Ich liebe unseren Esstisch. Von dort hat man einen wunderbaren Blick auf die Landschaft draußen – auf der einen Seite auf die Getreidefelder und auf der anderen auf die Felsen. Er ist in seiner ganzen Schlichtheit wunderschön und groß genug, um bei den unterschiedlichsten Anlässen viele Menschen zusammenzubringen. Allein der Gedanke daran, Menschen an einem Tisch zu versammeln, wärmt mir das Herz. Ein weiteres, kleineres Lieblingsstück ist die Schale, die unsere erstgeborene Tochter an ihrem Namenstag von unseren Architekten und unserem Bodenbauunternehmen geschenkt bekommen hat. Es ist eine wunderschöne Tonschale, die mit derselben Technik wie unser Fußboden hergestellt wurde und Marmorstücke enthält, die aus der Finlandia-Halle in Helsinki recycelt wurden. Sie hat für uns einen großen sentimentalen Wert, ist aber gleichzeitig auch ein wunderschönes Kunstobjekt.
Wo findet ihr eure Möbel und Wohnaccessoires?
Die meisten unserer Möbel stammen von finnischen oder nordischen Marken wie Made by Choice, Nikari, Artek, Tapio Anttila, Ikea, Verso Design, FDB Møbler oder Karup Design. Unsere Architekten haben lustigerweise eine besondere Verbindung zu Italien, da einer von ihnen Italiener ist, und unsere Beleuchtung stammt größtenteils von Flos – wobei noch einige Stücke auf unserer Wunschliste stehen. Bei Textilien lieben wir Leinen: Lapuan Kankurit und Finlayson gehören zu unseren Favoriten. Ansonsten versuche ich, so viel wie möglich gebraucht zu kaufen. Für Keramik gibt es hier in Ingå einen tollen lokalen Laden namens Art Story.
Gibt es eine Einrichtungsidee aus eurem Zuhause, die man einfach oder auch mit kleinem Budget umsetzen kann?
Heutzutage kann man so unglaublich viel gebraucht kaufen. Unser Bücherregal, das Bett unserer Tochter, unsere Leinenbettwäsche und viele unserer Keramikstücke habe ich auf Online-Plattformen für gebrauchte Dinge gefunden. Wenn man die Geduld und Zeit hat, nach gebrauchten Dingen zu suchen, kann man wirklich tolle Schnäppchen machen.

Fotos: Laura Sundström






