Endlose To-Do-Listen und kaum Pausen – kommt dir bekannt vor? In Schweden gibt es für kleine Auszeiten eigene Worte, die es im Deutschen auch geben müsste! Hier sind vier schwedische Rituale, die den Alltag sofort entschleunigen.
Im Alltag sind wir alle ziemlich durchgetaktet, haken ab, planen, schreiben neue Punkte auf unsere To-Do-Listen – aber eines finden wir darin selten: Luft, freie Zeit, Pausen. Dabei brauchen wir Auszeiten meistens genau dann am aller dringendsten, wenn wir keine Zeit dafür haben. In Schweden ist der Alltag auch voll. Aber es gibt im Schwedischen mehr eigene Wörter und Rituale für Pausen und Gewohnheiten, die den Alltag etwas entschleunigen, oder ihm zumindest eine kurze Pause gönnen. Die Schwedinnen und Schweden haben nämlich längst verstanden: Gelassenheit beginnt nicht erst im Urlaub, sondern im Alltag, in den kleinen Ritualen des ganz normalen Lebens.
Deshalb gibt es im Schwedischen auch so schöne eigene Wörter für Dinge, die bei uns oft gar keinen Namen haben – aber vielleicht auch genau deshalb selten bewusst zelebriert werden: Eine Kaffeepause, die wirklich eine Pause ist. Ein Nachmittag zuhause, ohne großen Plan, der sich nicht wie verlorene Zeit anfühlt. Ein bisschen Kreativität mit den Händen. Und die Erlaubnis, eine ganze Tüte Süßigkeiten auf einmal zu essen – die Schweden haben für all das eigene Begriffe!

Hemmahäng – Warum Zuhause sein in Schweden ein Ding ist
Warum gibt es im Deutschen eigentlich kein Wort für „den Abend zuhause verbringen“? Hier in Schweden ist das ein Ding: Den Abend zuhause zu verbringen ist immer ein guter Plan. Gerade in einem Land wie Schweden, wo die Winter lang und dunkel und kalt sind, ist es immer ein guter Plan, einfach zuhause zu sein. Und dafür haben die Schweden ein eigenes Wort: „Hemmahäng“ bedeutet tatsächlich „Zuhause rumhängen“, aber nicht als faule Notlösung, sondern als eine bewusste Entscheidung: Ohne schlechtes Gewissen, dass man „mal wieder nichts vorhat“, sondern als völlig legitimer Freizeitplan. Gemütlich ein Glas Wein trinken, nette Gesellschaft, vielleicht den Kamin anmachen und den Abend nicht mehr vor die Türe zu müssen. Ist das nicht eine herrliche Vorstellung, wenn es draußen dunkel und ungemütlich ist?
Fika – die Pause, die immer passt
Einen Kaffee trinken, kurz innehalten, etwas Kleines dazu essen: In Schweden ist die Fika ein echtes Muss, fast schon das wichtigste Ritual des Tages. Übrigens nicht nur am Wochenende, sondern jeden Tag. Es geht dabei nie nur um den Kaffee selbst, sondern um die Pause, die man sich bewusst nimmt – ohne schlechtes Gewissen, ohne das Gefühl, gerade Zeit zu „verschwenden“. Wer sich täglich eine kleine Fika-Pause gönnt, egal ob allein mit einem guten Buch oder mit Freundinnen am Küchentisch, schenkt sich selbst jeden Tag einen kleinen Moment der Ruhe, der Pause – und gut schmeckt es noch dazu!
Lördagsgodis – all-you-can-eat Süßkram am Samstag
Samstag gibt es in Schweden traditionell Lördagsgodis, die Samstagssüßigkeiten: In allen Supermärkten finden sich riesige Wände voller kleiner Fächer mit Süßkram, den man sich mit kleinen Schaufeln in Tüten füllt. Kinder wie Erwachsene stellen sich dann ihre eigene Mischung zusammen – und die ist vor allem eins: die offizielle Erlaubnis, einen riesigen Berg Süßigkeiten auf einmal aufzuessen. Die eigentliche Idee dahinter: Nur einmal die Woche Zucker zu essen, ist besser für die Zähne. Aber die Lördagsgodis sind vor allem eines: Genuss, ohne schlechtes Gewissen – und ein echt schwedisches Samstagsding.
Pyssla – mit den Händen zur Ruhe kommen
Pyssla bedeutet so viel wie machen, werkeln, basteln, kreativ sein: ob stricken, Schubladen sortieren oder im Garten buddeln – Hauptsache, die Hände tun etwas Schönes. Denn während die Finger beschäftigt sind, kommt der Kopf zur Ruhe. Kein Handy, kein Grübeln, nur dieses stille, zufriedene Tun. Man muss dabei übrigens kein Kunstwerk erschaffen – schon das Sortieren von Fotos oder das Umtopfen einer Pflanze macht den Kopf frei. In einigen Häusern gibt es dafür sogar einen Extraraum: Den Pysselrum, den Bastelraum, mit Platz für alles, mit dem man eben so rumwerkelt.
Vier kleine, schwedische Gewohnheiten, die sich auch im deutschen Alltag ziemlich gut machen würden, oder? Dann los!


