Grandios gescheitert

Nicht jede Geschäftsidee wird zum Erfolg. Selbst Weltkonzerne wie Google oder McDonalds produzieren Produkte, die kläglich scheitern. Im schwedischen Helsingborg zeigt ein neues Museum nun die legendärsten Flops.

Eine umweltfreundliche Trinkflasche, fettfreie Chips oder ein mobiles Twitter-Gerät: Klingt erstmal nach prima Ideen – waren sie aber nicht, wie man im neu eröffneten „Museum of Failure“ sehen kann. Dort steht eine beeindruckende Sammlung an völlig fehlkonstruierten Erfindungen und Produkten, die auf dem Markt kläglich versagten. Die Trinkflasche etwa sollte durch ihren Verkauf den Schutz der Ostsee unterstützen, bestand aber selbst aus nicht recycelbarem Kunststoff. Umweltfreundlich sieht anders aus. Die kalorienfreien Chips schmeckten zwar ganz lecker, enthielten aber den umstrittenen Inhaltsstoff Olestra, der nach dem Knabbern Durchfall verursachte. Und das Twittergerät erwies sich als völlig nutzlos, weil längst alle über ihr Smartphone twitterten und nicht bereit waren, 180 Euro für ein separates Gerät zu zahlen, dessen Display zudem zu klein war, um komplette Tweets anzeigen zu können.

Samuel West, Erfinder des Museum of Failure in Helsingborg.
Samuel West, Erfinder des Museum of Failure in Helsingborg.

„Man erfährt oft nur die Erfolgsgeschichten und selten, was auf dem Weg zum fertigen Produkt schiefgelaufen ist oder wie viele Produkte wieder eingestampft wurden, weil keiner sie haben will“, erklärt Samuel West, der das Museum of Failure im Juni im schwedischen Helsingborg eröffnete. „Dabei gehen fast allen Innovationen duzende Fehlkonstruktionen voraus. Man muss eben Fehler machen, wenn man vorankommen und erfolgreich sein will“, ist er überzeugt. Und das will er zeigen. Über 70 Exponate sind im Museum derzeit zu sehen.

Museum of Failure
Noch ist das Museum of Failure in einem einzigen großen Raum untergebracht. Bald zieht es in eine neue Location, weil immer mehr gescheiterte Produkte einen Ehrenplatz verdienen.

Die Ausstellung gibt einen amüsanten Einblick in die Welt des Scheiterns und erzählt die Geschichten von völlig sinnbefreiten Ideen und solchen, die zwar innovativ gedacht waren, sich in der Praxis aber als unbrauchbar erwiesen. Manches ist so verrückt, dass man es kaum fassen kann: Ein Unternehmen brachte allen Ernstes ein Gerät auf den Markt, dass versprach, die Geräusche des Haustieres in menschliche Sprache umzuwandeln. Darauf fiel fast niemand herein.

Gerät, das Hundesprache in echte Sprache übersetzt
Dieses Wundergerät versprach, Hundesprache in menschliche Wort zu übersetzen. Natürlich funktionierte das nur semi gut und die Hundebesitzer fühlten sich über den Tisch gezogen.

Auch Weltkonzerne produzieren Flops: McDonalds verschwendete mal eben 300 Millionen Dollar für den Launch eines angeblich hochwertigen Burgers nur für Erwachsene – doch die griffen lieber zur normalen und deutlich billigeren Burgerversion.

Der Burger für Erwachsene
Der Arch Deluxe von Mc Donalds sollte ein geschmackliches Upgrade für Erwachsene sein – war aber nur teurer und nicht wirklich lecker.

Harley Davidson demolierte sein männliches Markenimage gewaltig, als das Unternehmen ein Parfüm auf den Markt brachte: Die Motorradfans fanden den Geruch und die Verweichlichung der Marke ziemlich peinlich. Auch Google scheiterte 2013 grandios mit der Google Brille, weil die nicht nur idiotisch aussah, sondern eingebaute Kamera, Sprachsteuerung und Display ihrem Träger auch keinen wirklichen Mehrwert brachten – nur den Spott der Mitmenschen, die nicht gefilmt werden wollten. Vielerorts wurde die Brille sogar verboten.

Google Glasses
Die Google Brille sah nicht nur mächtig dämlich aus, sondern ihre Träger wurden auch schnell „Glassholes“ genannt, eine Mischung aus Glasses (Brille) und Asshole (braucht das eine Übersetzung?).

Ziemlich daneben ging auch die Idee von Colgate, die für Zahnpasta mit Minzgeschmack bekannt waren, aber in den 1980er Jahren eine Tiefkühllasagne auf den Markt brachten. Essen wollte die niemand.

Colgate Lasagne
Eine Tiefkühlpizza von einem Zahnpastahersteller? Da denkt man mehr an Minz- als an Bolognese-Geschmack. Das kam weniger gut an.

Bevor Samuel West das Museum gründete, arbeitete er sechs Jahre an der Universität im schwedischen Lund als Organisationspsychologe, mit dem Schwerpunkt Innovation. Seit er im letzten Jahr das Museum für zerbrochene Beziehungen in Zagreb besucht hatte, ließ ihn die Idee nicht mehr los: Scheitern sei eben normal, erklärt er, in Beziehungen ebenso wie in der Wirtschaft.

Bald zieht er mit seinem Museum in größere Räume. Die braucht er auch. Aus der ganzen Welt werden ihm immer weitere Vorschläge und Produkte geschickt.

Fettfreie Chips
Pringles hatte die glorreiche Idee, fettfreie Chips auf den Markt zu bringen. Erstmal eine prima Sache, aber sie wirkten stark abführend auf den Magen-Darm-Trakt… das war’s dann.

Nicht alle Firmen sind glücklich darüber, dass sie es ins Museum geschafft haben. Colgate verkündete, keiner im Unternehmen erinnere sich mehr an das Produkt und Ikea verweigerte jede Zusammenarbeit. Samuel West ist das egal. „Mir gehören die Sachen oder es sind Leihgaben von Privatpersonen“, erklärt er, „keiner kann verbieten, sie zu zeigen.“ Weil manches sich schlecht ausstellen lässt, veranstaltet er auch Events im Museum: Kürzlich verkostete eine Brauerei alle Biersorten, die nicht es nicht auf den Markt schafften und ein Pianist spielte die unfertigen Vorversionen von Beethovens 5. Symphonie. „Man vergisst angesichts der erfolgreichen Dinge immer, dass kaum ein Werk an einem einzigen Tag entsteht. Beethoven hat acht Jahre an seinem Werk gearbeitet“, sagt West.

Ausstellung 1
Großartige Unterhaltung: Ein Besuch im Museum of Failure.

Für Firmen gibt es Workshops und Seminare, um zu lernen, das Scheitern völlig okay und sogar wichtig ist, um voran zu kommen. „Die Menschen sollten die Angst davor verlieren, Fehler zu machen“, erklärt West. Er hat sie längst verloren, dabei könnte die Idee, das Museum in Helsingborg, einem kleinen Städtchen an der schwedischen Westküste zu eröffnen, ganz schön schieflaufen. Nur etwa 150 Besucher kommen pro Tag. Zu wenig, um das Museum langfristig zu finanzieren. Warum es trotzdem hier steht? „Mir gefällt einfach die verrückte Idee, es eben nicht in Kopenhagen oder Stockholm aufzumachen, sondern zwischen Dönerbuden mitten in Helsingborg, in der Stadt, in der ich lebe“ erklärt er.

Dass die Idee seines „Museum des Scheiterns“ ebenfalls scheitern könnte, daran denkt er auch manchmal. Aber es sieht gut aus: Es gibt bereits internationale Anfragen, das Museumskonzept auch für andere Städte zu übernehmen. Samuel West ist also auf dem besten Weg, mit dem Scheitern anderer Leute ziemlich viel Erfolg zu haben.

 

Mehr Infos:

Museum of Failure

Södergatan 15, 25225 Helsingborg, Schweden

Öffnungszeiten: Täglich, 12 bis 18 Uhr

www.museumoffailure.se

 

Fotos: Hejsson; Penguin Vision Photography

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